Bremse statt Gaspedal – das Kartellamt und die Benzinpreise

Posted by on Sep 9, 2014 in Allgemein | One Comment

Foto: Eduard Titov / Envato

Achtung. Das hier ist kein Postillon-Artikel. Das ist die pure Realität:

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in Bonn bietet seit September 2013 ein „Mehr“ an Offenheit in Deutschland an – auf Grundlage folgender Richtlinie des Bundeskartellamts: „Seit dem 31. August 2013 sind Unternehmen, die öffentliche Tankstellen betreiben oder über die Preissetzungshoheit an diesen verfügen, verpflichtet, Preisänderungen bei den gängigen Kraftstoffsorten Super E5, Super E10 und Diesel ,in Echtzeit‘ an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe zu melden.“

Die gemeldeten Preise werden in einer Datenbank gespeichert und über eine Schnittstelle (API) bspw. Verbraucherportalen zugänglich gemacht. Damit soll für den Endkunden, also den autofahrenden Bürger, ein transparenter Vergleichen von aktuellen Benzinpreisen möglich sein.

Doch so einfach und nach OpenData-Prinzipien ist die Schnittstelle nicht zugänglich. Ein 3-seitiges Merkblatt informiert über die Richtlinien, nach denen eine Freigabe erfolgt. Die ersten Anträge zum Zugang sind seit August 2013 bei der Behörde eingegangen, beim Testlauf bis Ende November 2013 waren 4 Dienstleister zugelassen, die einen Zugang zur API erhalten hatten.

„Nicht für Geld und nicht für gute Worte“

Dieser API-Zugang ist datenjournalistisch eine sehr spannende Quelle. Wir von OpenDataCity haben viele Ideen, wie wir aus diesen Zahlen Services und Geschichten entwickeln können, und haben uns bei der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe auch mit allen geforderten Unterlagen  – wie im Merkblatt aufgelistet – vor etlichen Monaten um einen Zugang beworben.

Gestern nun haben wir einmal nachgefragt, wann wir mit einer Zulassung rechnen können und mussten erfahren, dass in den vergangenen 12 Monaten insgesamt 90 Dienstleister eine Benutzername/Kennwort-Kombination erhalten haben, mit der sie über die API Zugriff auf die Datenbank haben.

Leider hat unser Antrag die Nummer 253. Und eine Zulassung erfolgt laut Auskunft streng nach der Reihenfolge des Eingangs. „Nicht für Geld und nicht für gute Worte“ würden sie uns vorziehen. Wir haben das Tempo dann mal kurz im Kopf überschlagen und sind zu dem Ergebnis gekommen: Falls sie weiterhin so „rasant“ die Benutzername/Kennwort-Kombinationen vergeben, sind journalistische Anwendungen zu Benzinpreisen von OpenDataCity nicht vor dem Frühjahr 2016 zu erwarten.

Für Nicht-Techniker mag eine API hochkomplex und schutzwürdig klingen, doch tatsächlich gibt es solche Schnittstellen für immer mehr Webseiten – viele davon sind frei und ohne Einschränkungen zugänglich. Anwendungen für Twitter, Dropbox, Facebook oder Google würden ohne offene Schnittstellen nicht die Popularität genießen, die sie jetzt haben.

Und Transparenz kann doch nur hergestellt werden, wenn Daten einfach und für alle zugänglich sind!? Wir hoffen, dass das Bundeskartellamt unsere Sichtweise irgendwann teilt. Am besten noch vor 2016.

1 Comment

  1. Fg
    2014-09-17

    Arg ja. Ich habe auch schon ein paar Anfragen gestellt, aber natürlich null Reaktion. Schon etwas peinlich.
    Die können die Daten auch ein mal täglich aktualisiert online stellen.. Das würde für vieles schon reichen..