Datenschutz & Medien – Innovation als zweite Chance

Posted by on Aug 25, 2017 in Allgemein | No Comments

Daniel Moßbrucker und ich haben für die aktuelle Ausgabe des Fachmagazins “Journalist” über Datenschutz, die Datenschutzgrundverordnung und Chancen für Medienanbieter geschrieben.

Medien haben ihre Gatekeeper-Funktion an globale Konzerne wie Facebook und Google abgetreten. Plattformen entscheiden, welche Inhalte ihre Nutzer sehen. Doch bald ermöglicht ausgerechnet das verpönte Datenschutzrecht neue Innovationen, mit denen Medien die Tech-Giganten mit deren eigenen Waffen schlagen könnten. Leider könnte die Branche diese Chance jedoch verpassen.

Von Marco Maas und Daniel Moßbrucker

Im Jahr 1999 schrieb der amerikanische Verfassungsrechtler Lawrence Lessig sein wegweisendes Buch „Code“ mit der berühmten Formel „Code is Law“, in dem er argumentiert, dass im Digitalen nicht mehr Regierungen, sondern Software-Code unser Zusammenleben regelt. Lessig wird heute gerne zitiert, wenn es um die Ethik von Algorithmen geht. Ob im so häufig beschriebenen Dilemma das selbstfahrende Auto eine alte Frau oder eine Gruppe von Kindern überfahren soll, muss — so die Argumentation — vorher ein Programmierer im Code festlegen. Mag diese Frage die (nahe) Zukunft betreffen, ist Lessig in den 18 Jahren nach seinen Thesen auf anderer Ebene längst bestätigt worden: Welche Inhalte Menschen konsumieren, bestimmen nicht mehr allein Redaktionen traditioneller Medien, sondern codebasierte Algorithmen global agierender Technologie-Riesen. Sie haben sich als Intermediäre zwischen Nutzer und Medien geschaltet, das neue Nadelöhr zwischen Anbietern und Nachfragenden. Allen voran: Google und Facebook.

Außer in abgeschotteten Internet-Regionen wie China oder Iran avancieren Google und Facebook zum weltweiten Defacto-Standard, wenn es um Informations- und Nachrichtenselektion geht. Facebook hat Ende Juni bekannt gegeben, nun zwei Milliarden aktive Nutzer im Monat zu haben; Google verarbeitete Mitte 2016 eigenen Angaben zufolge zwei Billionen Suchanfragen pro Jahr, was rund 64.000 pro Sekunde entspricht. Diesen Vorsprung vor der Konkurrenz wollen sich beide Konzerne nicht mehr nehmen lassen, zumal gerade die jüngeren Internetnutzer die digitalen Informationsfilter überproportional stark nutzen. Der Digital News Report 2017 vom Reuters Institute etwa stellte fest, dass 33 Prozent der 18- bis 24-Jährigen soziale Medien als wichtigste Nachrichtenquelle ansehen — so viele wie in keiner anderen Altersklasse.

Abhängigkeit von Facebook, Google & Co

Klassische Medien waren zwar immer schon auf Intermediäre angewiesen, doch digitale Plattformen gehen über Betreiber reiner Infrastruktur wie zum Beispiel Internet-Provider hinaus: Sie leiten Informationen nicht neutral über ihre Leitungen, sondern es ist gerade der Kern ihres Angebotes, die Nachrichtenflut auf individuelle Relevanz hin zu filtern und damit inhaltlich zu selektieren; bisher eigentlich eine genuin journalistische Aufgabe.

Das Mittel zum Zweck sind Daten. Die Firmen aus dem Silicon Valley haben innovative Methoden der Datenerhebung und –verarbeitung implementiert, mit denen ihre Algorithmen die Relevanz von Inhalten pro User bestimmen, kurzum: sie personalisieren. Gerade Facebook ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil die „passenden“ Informationen zu den Nutzern kommen, ohne dass diese lästig in einer Zeitung nach dem Suchen müssen, was sie interessiert.

Auch Google personalisiert Suchergebnisse, selbst wenn Nutzer gar nicht mit ihrem Konto eingeloggt sind. Schon Ende 2009 führte der Vorgänger des heutigen Alphabet-Konzerns eigenen Angaben zufolge ein Verfahren ein, bei dem ein Cookie 180 Tage im Webbrowser lang Informationen über die Suchenden sammelt und Trefferlisten entsprechend anpasst. Wie genau ihre Filter-Algorithmen funktionieren, geben jedoch weder Facebook noch Google Preis. Code und algorithmische Entscheidungsmechaniken bleiben Geschäftsgeheimnis. Öffentlich bekannt werden allenfalls Grundzüge.

So bleiben Anzahl und Art der Signale, mit denen Facebook die Relevanz von Inhalte misst, unbekannt. Klar ist nur, dass es übergeordnet bei allem immer um Affinity, Weight und Decay geht. Also Affinität („Wie gefällt der Post meinen Freunden?“), Gewicht („Wie viele Shares, Likes und Kommentare hat der Post?“) und Verfall („Wann ist der Post erstellt worden?“). Diese Kriterien können, müssen sich aber nicht mit journalistischen Nachrichtenfaktoren überlappen.

Safe Harbour und invasive Datenspeicherung

Was wir als innovative Datenverarbeitung bezeichnet haben, muss im gleichen Atemzug zweifelsfrei auch als invasiv benannt werden. Dass die EU-Kommission 2012 den ersten Entwurf für ein europaweit einheitliches Datenschutzrecht vorlegte, war unter anderem dem geschuldet, dass die Folgen des hemmungslosen Trackings aller Internetnutzer allgemein sichtbar wurden. Es war die Zeit, als beispielsweise der österreichische Jura-Student Max Schrems seinen Kampf mit Facebook aufnahm, die Initiative „Europe versus Facebook“ gründete und 2015 ein epochales Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof errang, womit das Datentransfer-Abkommen „Safe Harbour“ zwischen Europa und den USA gekippt wurde. Die EU wollte da längst das Datenschutzrecht vereinheitlichen und ein zeitgemäßes Regelwerk vorlegen.

Als Larry Page und Sergey Brin 1998 Google entwickelten und Mark Zuckerberg 2003 die ersten Programmzeilen des Facebook-Vorgängers facemash.com schrieb, herrschte im Daten-Universum nämlich weitgehend Wilder Westen. Das Datenschutzrecht wurde teilweise ignoriert, meistens jedoch grenzwertig interpretiert, um eigene Pläne nicht wegen Privatsphäre-Bedenken ändern zu müssen. Die Pioniere der modernen Datenverarbeitung haben einfach gehandelt und sich so ein Monopol erarbeitet. Das mag man kritisieren, aber es ist passiert.

Journalism Project von Facebook

Diese erste Datenrevolution haben deutsche Medienhäuser verschlafen. Als die Verlagsgruppe Holtzbrinck 2007 das Netzwerk „StudiVZ“ kaufte, hatte Facebook seinen globalen Siegeszug längst angetreten. Für die Stuttgarter wurde es ein Millionengrab, 2012 verkauften sie es an eine Investmentgesellschaft. Klassisch arbeitende Redaktionen bleiben (nur noch) als Produzenten werthaltiger Inhalte wichtig für Google und Facebook, wie auch Mark Zuckerberg in seinem Manifest „Building Global Community“ im Februar unterstrich. Um eine „informierte Gemeinschaft“ zu schaffen, brauche es eine „starke Medienbranche“. Facebook wolle dabei helfen. „Wir müssen mehr tun, um die Medienbranche zu unterstützen und sicherstellen, dass diese unerlässliche soziale Funktion zukunftsfähig bleibt — von mehr Lokalnachrichten, zur Entwicklung von Formaten optimiert für mobile Geräte, bis hin zur Verbesserung der Geschäftsmodelle von Medienhäusern“, schrieb Zuckerberg.

Mit dem Journalism Project will Facebook neue Inhalts- und Geschäftsmodelle für Medien entwickeln, Journalisten trainieren und die Medienbildung der User verbessern. Auch Google fördert im großen Stil die Medienbranche. Die Digital News Initiative verwaltet einen Fördertopf von insgesamt 150 Millionen Euro, von denen in drei Runden bisher rund 70 Millionen Euro in 350 journalistische Projekte in Europa investiert wurde. Eines davon ist auch ein Projekt des Mitautors Marco Maas. Er erforscht mit seiner Firma bei “xMinutes”, wie Daten etwa aus der Sensorik eines Smartphones helfen können, Momente zu identifizieren, in denen der Benutzer journalistische Inhalte konsumieren will. Es geht um die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Google fördert dieses Projekt finanziell, erhält allerdings keinerlei Zugriff auf Code oder Daten und erhält auch keine Anteile an der Firma.

Chancen für neue Wege

Man sollte diesen Funding-Initiativen nicht jegliche hehre Ziele absprechen. In Projekte wie “xMinutes” erhalten Journalisten und Medienunternehmer durch die Förderung der Branchenriesen erst die Chance, an derartig neuen Ideen zu arbeiten. Verlage steigen in solche Geschäfte, die nicht zeitnah nach dem Einstieg Rendite abwerfen, eher selten als Investoren ein.

Allerdings: Wenn Medien immer stärker mit digitalen Plattformen kooperieren, können daraus Abhängigkeiten erwachsen. Redaktionen, die ihre Inhalte etwa immer stärker für den Facebook-Algorithmus optimieren, könnten die Motivation verlieren, die eigenen Distributionskanäle weiterzuentwickeln und selbst mit innovativen Ideen voranzugehen. Wer so handelt, droht die nächste Datenrevolution zu verschlafen und eine zweite Chance, die ihnen die europäische Politik erarbeitet hat, ungenutzt zu lassen — die Reform des europäischen Datenschutzrechtes, das ab Mai 2018 wirksam werden wird.

Datenschutz und Innovation – der vegetarische Schlachthof?

Datenschutz und Innovation mag sich zunächst wie ein vegetarischer Schlachthof anhören; etwas, das nicht zusammenpassen kann. Tatsächlich wird Datenschutz klassischerweise als Abwehrrecht des Bürgers vor einer zu tiefgreifenden Datenverarbeitung durch den Staat verstanden. Folglich hieß das erste deutsche Datenschutzgesetz, das erst 1978 in Kraft trat und verschiedene Einzelvorschriften zusammenführte, auch „Gesetz zum Schutz vor Missbrauch personenbezogener Daten bei der Datenverarbeitung“.

Aber schon das Bundesdatenschutzgesetz hat sich in den vergangenen Jahren an die Digitalisierung angepasst, ehe die 2016 verabschiedete EU-Datenschutzgrundverordnung nun die scheinbaren Gegensätze Datenschutz und Innovationen vereinbaren möchte. Im ersten Artikel heißt es, dass das Regelwerk die Privatsphäre der Menschen schützen solle, aber gleichzeitig der „freie Verkehr“ von Daten „aus Gründen des Schutzes natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten weder eingeschränkt noch verboten werden“ dürfe.

Nicht alles ist revolutionär am neuen EU-Recht, und vieles dürfte für Medien im redaktionellen Alltag bedeutungslos bleiben. Einige Regeln bieten jedoch die Chance, den Wettbewerb mit Facebook & Co. um Personalisierung von Nachrichten aufzunehmen. Die digitalen Datensammler können bald nämlich dazu verpflichtet werden, ihre Datenschätze mit Verlagen und Rundfunkanstalten zu teilen, falls Nutzer mit ihren Daten „umziehen“ wollen.

Das Zauberwort heißt „Datenportabilität“. Die Verordnung führt das Recht der Nutzer ein, ihre Daten von einem anderen Dienst mitzunehmen in einem gängigen Format. Damit sollen sie einerseits sehen können, was ein Dienst über sie gespeichert hat, andererseits können sie neue Dienste direkt personalisiert nutzen, weil kein wochen- oder monatelanges Tracking erforderlich ist. Facebook & Co. haben das ja über Jahre bereits gemacht und ausgefeilte Nutzerprofile erstellt. Flankiert wird dies von einem Recht auf Löschung der eigenen Daten.

Es soll einfacher möglich werden, seine Profile (teilweise) aus der Verarbeitung herausnehmen zu lassen. Damit gekoppelt ist auch das Ansinnen, dass Nutzer nicht mehr pauschal in jegliche Datenverarbeitung einwilligen müssen, um einen Dienst auch nur teilweise nutzen zu können. Nur was zwingend notwendig ist, darf auch erhoben werden. Konkret heißt dies: Am Ende ein Häkchen unter eine seitenlange AGB zu setzen, und damit in die Verarbeitung aller möglichen Daten einzuwilligen, soll nach dem Ansinnen der EU aufhören. Stattdessen sollten Nutzer so granular wie möglich bestimmen können, wo sie Daten preisgeben möchten und wo nicht.

Datenportabilität als Chance

Medien finden damit bald optimale rechtliche Rahmenbedingungen vor, um ihre Angebote besser an die Interessen ihrer Nutzer anpassen zu können und mit bedienerfreundlichen Einstellungen zu gestalten. Voraussetzung dazu wären aber innovative Konzepte, wie das technisch umgesetzt werden kann und eine Schnittstelle, um die Daten von den globalen Technologie-Konzernen integrieren zu können. Fehlt dies, rauscht die nächste Daten-Revolution an der Branche vorbei. Dieses Szenario ist nach derzeitigem Stand leider zu befürchten. Während der jahrelangen Verhandlungen und den aktuellen Interpretationen des Gesetzestextes in Brüssel fallen Medienorganisationen und Verlegerverbände nicht gerade damit auf, sich beim Recht auf Datenportabilität federführend in die Diskussion einzubringen.

Deutsche Verlage strukturieren ihre Websites und Apps bisher kaum nach Nutzerinteressen. Viele Apps bieten zwar die Möglichkeit, eigene Themenschwerpunkte zu wählen, also etwa Politik, Wirtschaft und Sport als Favoriten, dafür aber keine Kultur. Die überarbeitete Tagesschau-App hat zum Beispiel ein solches Feature. Einige Anbieter erlauben auch Einstellungen bei den Push-Mitteilungen, wenn Nutzer zum Beispiel über ihren Lieblingsverein live informiert werden wollen.

Am weitesten von Deutschlands großen Anbietern geht unseren Recherchen nach das Bezahlangebot BILDplus des Axel Springer-Verlages, bei dem die Anordnung der Artikel manuell zusammengesetzt werden kann. Darüber hinaus erhebt myPass, ein Dienstleister für das Unternehmen, diverse personenbezogene Daten über die Nutzer, darunter zum Beispiel zeitliche Log in-Daten, Nutzungsdaten aus der App selbst oder Social Media-Nutzungsdaten über Plug-ins etwa von Facebook. Laut Axel Springer werden diese Daten verarbeitet, um sowohl journalistische Inhalte wie auch angezeigte Werbung zu personalisieren. Damit denkt „BILDplus“ in die Richtung von Facebook und Google.

Die Website ist tot – Weisheit von gestern

Was genau könnten Medienunternehmen mit den Daten anstellen, die ihnen Facebook & Co. gemäß des neuen EU-Rechts liefern müssten? Nun, vieles ist denkbar. In erster Linie geht es darum, ihrem Publikum das zu geben, was es möchte. Dass die Website „tot“ ist, gilt mittlerweile als Weisheit von gestern. Personalisierte Timelines eines Mediums, in denen die pro User relevantesten Nachrichten strukturiert werden, würden dieser Erkenntnis Rechnung tragen.

Dies hält Nutzer länger im eigenen Angebot, steigert damit Werbeerlöse — und sorgt dafür, dass ein zufriedener User auch wiederkommt. Das gilt besonders für die ohnehin treuen Kunden; die also, die (noch) die URL des Mediums in ihre Browser-Zeile eintippen oder die App öffnen. Doch auch jene, die über einen Intermediär wie Facebook einen einzelnen Artikel lesen, könnten zum Beispiel mit personalisierten Empfehlungen am Ende eher davon überzeugt werden, weitere Beiträge im Angebot zu lesen.

Lernen aus Nutzerdaten

Entscheidend ist dabei seitens der Sender und Verlage der Blick nach vorn: Das Ende der Website war der Beginn, vielerorts wird auch das Ende der Apps prophezeit. Inhalte “wandern” beispielsweise über die Sperrbildschirme gesteuert durch Dienste wie Google Now direkt zum Leser — und der Nachrichtenerzeuger weiß nicht, wer wann und wo wie auf seinen Inhalt stößt. Die Betriebssysteme Android und iOS werden zum künftigen algorithmischen Wächter der Aufmerksamkeit. Publisher könnten hier jedoch auf die Nutzungshistorie zugreifen, um den User auf ihrer Seite besser zu informieren: Was hat er vorher gelesen? Woher kommt er? Wie ist sein Kenntnisstand? Sucht er lange oder kurze Texte? Solche Fähigkeiten braucht es, um ein relevanter Partner für die Auslieferung von Inhalten zu werden.

Neue Herausforderungen: Smarte Audio-Boxen und Machine-Learning

Ein Blick auf die neuen smarten sprachgesteuerten Medienkonsum-Geräte wie Alexa, Cortana, Google Home oder den HomePod von Apple zeigt eine weitere Herausforderung auf: Hier zählt nicht mehr eine Masse an Inhalten; es kommt darauf an, den einen “richtigen” Beitrag bereitstellen zu können. Ohne Algorithmen und Nutzerdaten stochern Medienhäuser hier noch stärker im Dunklen und sind noch mehr auf die Weisheit von Google, Apple & Co. angewiesen.

Ferner ist absehbar, dass alle künftigen technologischen Innovationen auf Machine-Learning und Artificial Intelligence fußen werden. Um eigene Algorithmen zu trainieren, um Nutzungsverhalten zu simulieren und relevante Ergebnisse ausspielen zu können, ist ein Zugriff auf große Nutzungsdaten-Mengen notwendig. Hier kann die neue Datenschutz-Grundverordnung ein Türöffner für “kleine” Player wie Verlage sein, um eigene Algorithmen entwickeln zu können.

Plattformen werden nicht verschwinden

Bei allen Lösungen darf es nicht darum gehen, eine Konkurrenz zu digitalen Plattformen aufzubauen. Es ist illusorisch anzunehmen, dass sie wieder verschwinden oder unattraktiver werden, nur weil Verlage nun auch datengetrieben personalisieren. Vielmehr geht es darum, im Gatekeeper-Modell Medien-Intermediär-Nutzer ebenso gut wie digitale Intermediäre zu performen, anstatt sich ihren Gesetzmäßigkeiten zu unterwerfen und damit letztlich auch journalistische Inhalte zu verändern. Dies ist langfristig gefährlich für die ökonomische Tragfähigkeit von Redaktionen — aber auch für die Demokratie, weil Medien bei ihrer Themenselektion auch weiterhin dem Ideal einer informierten Öffentlichkeit folgen müssen anstatt dem Business-Modell von Facebook.

Personalisierung muss schließlich nicht automatisch in einer Filterblase enden. Tristan Harris, ehemaliger „Design Ethiker“ bei Google, hat in seinem lesenswerten Blogpost „How Technology is Hijacking Your Mind“ aufgeschrieben, wie uns die Anbieter aus dem Silicon Valley jeden Tag aufs Neue Dinge tun lassen, die wir eigentlich nicht tun wollten. Harris’ Job war es, bei Googles Software-Entwicklung „Milliarden Menschen zu schützen, damit ihr Verstand nicht beraubt wird“. Apps werden heute by design so konstruiert, dass wir dort möglichst viel Zeit verbringen sollen. Facebook zum Beispiel zwingt uns dazu, beim Öffnen immer erst den Newsfeed anzusehen, selbst wenn wir eigentlich nach einer gezielten Veranstaltung suchen oder das Profil eines Freundes aufrufen möchten. Intendiert wird damit laut Harris, dass wir erst einmal einige Minuten durch den Newsfeed scrollen, ehe wir uns erinnern, warum wir eigentlich Facebook geöffnet haben. Anderes Beispiel: Wer sein Profilfoto ändert, wird Harris zufolge damit höher im Newsfeed seiner Freunde gelistet. Denn die Zahl der Likes für das eigene Profilfoto ist wichtig fürs eigene Ego — und wer glücklich ist, kommt wieder zu Facebook zurück. Harris sieht das Vorgehen der Digitalunternehmen kritisch. Seiner Meinung nach verschwenden wir maßlos Zeit in sozialen Netzwerken, weil es dem Geschäftsmodell der Plattformen dient.

Es liegt eine ungeheure Chance für Verlage darin, mit solchen Konzepten zu brechen und dennoch auf Personalisierung zu setzen. Die Daten der großen Plattformen ins eigene Angebot zu integrieren, heißt nicht, sich ihren Relevanz- und Selektionskriterien zu unterwerfen. Im Gegenteil: Innovativ wäre ein Verlags- oder ein “übergreifender Journalismus-Algorithmus” gerade dann, wenn er persönliche Interessen mit den redaktionellen Standards und journalistischen Werten harmonisieren würde, um gerade keine Filterblasen und Echo-Kammern zu bilden.

Wenn also der Nutzer, der sich auf Facebook liebend gerne von Verschwörungstheorien über Hillary Clinton verführen lässt, bei einem gestandenen Medienunternehmen Informationen erhält, die diese Theorien entlarven. Oder wenn ein lokaljournalistischer Beitrag, der auf eine “klickfähige” Überschrift bewusst verzichtet und damit im Facebook-Newsfeed gerade zu Breaking News-Phasen wie etwa jüngst dem G20-Gipfel nur schwer Reichweite erzielt, im “Journalismus-Algorithmus” an erster Stelle steht, weil er für den individuellen Nutzer große Relevanz hat.

Vertrauen durch Transparenz und Datensouveränität

Ein Journalismus, der invasiv mit den Daten seiner Nutzer arbeitet, muss daher in einigen Bereich diametral anders vorgehen als die Pioniere des Silicon Valleys. Es geht vor allem um Transparenz und Datenautonomie. Die Leser müssen zu jedem Zeitpunkt wissen, was das Unternehmen über sie weiß, was mit den Daten passiert und wozu das führt. Es muss die Möglichkeit geben, Einwilligungen jederzeit zu widerrufen — mit der Folge, dass nicht mehr benötigte Daten direkt gelöscht werden. Dies wäre einerseits eine datenschutzfreundliche Auslegung des neuen EU-Rechts. Es würde andererseits aber auch zu Vertrauen der Nutzer führen und damit wohl auch zu einer höheren Akzeptanz, sich selbst beim Medienkonsum vermessen zu lassen. Es entstünde ein Gegenmodell zur algorithmischen Blackbox Facebook, bei dem Urlaubsfotos, Katzenvideos, Verschwörungstheorien und Fake News mit journalistischem Content konkurriert. Ein Gegenmodell, das personalisierten Qualitätsjournalismus anbietet und dabei durch Transparenz und Datensouveränität Vertrauen stiftet.

xMinutes hat in den vergangenen Monaten getestet, ob dieses Ansinnen auch realistisch umzusetzen ist. Das Produkt soll Nachrichteninhalte dann anbieten, wenn es der Nutzer gerade möchte und genau so, wie es in seine Lebenssituation passt. Dazu sollen nahezu alle verfügbaren Daten ausgewertet werden: Neben Nutzungsstatistiken, persönlichen Interessen und soziodemografischen Angaben zur Person perspektivisch auch Daten aus dem Internet der Dinge. Dazu gehört etwa, wann Menschen aufstehen oder gegebenenfalls in welchen Räumen sie sich befinden. Zum Aufstehen könnte ein Nutzer also Kurzmeldungen auf seinem Smartphone lesen, die dann mit Audio-Beiträgen unter der Dusche vertieft werden. So etwas machen Nutzer nur mit, wenn sie Vertrauen in ein Angebot haben — weshalb Transparenz beim Datenschutzkonzept zentrale Bedeutung hat.

Die Diskussionen mit den Entwicklern haben gezeigt, dass Innovation und Datenschutz in der Praxis sehr wohl zusammenpassen. Wer seinen Ort nicht speichern lassen will, muss nicht zustimmen, um xMinutes trotzdem nutzen zu können. Erhobene Daten können perspektivisch mit wenigen Klicks gelöscht werden in einer Kalenderfunktion. Und sobald das neue Recht wirksam wird, sollen Daten von Facebook, Twitter oder YouTube mit einer Kontoverknüpfung ins xMinutes-Profil integriert werden (können).

Solche Features bereits jetzt in neue Produkte zu implementieren, wäre für Verlage nur konsequent. Jeder, der personenbezogene Daten verarbeitet, muss dem neuen EU-Recht ab Mai 2018 genügen. Da kommt es kaum drauf an, ob man nur ein paar wenige Daten verarbeitet oder in das Geschäft der Personalisierung ernsthaft mit einsteigt. Warum nicht innovativ vorangehen, wenn die Daten kostenlos über eine Schnittstelle auf die eigenen Server fließen könnten?

Die Zeit ist knapp

Ehrlich gesagt ist die Zeit dafür eigentlich schon zu knapp, um zum Start der Datenportabilität mit entsprechenden Produkten aufzuwarten, wenn sie jetzt noch nicht in der Planung sind. Allerdings ist (leider) nicht damit zu rechnen, dass dieser gegenseitige Datenaustausch auch gleich im Mai 2018 losgehen wird. Zu unkonkret ist das EU-Recht dafür und zu groß dürfte der Widerstand der globalen Player sein, ihre Datenschätze fortan zu teilen. In ihren Interpretationen zum Recht auf Datenportabilität hat die sogenannte Article 29 Working Party, ein offizielles Beraterorgan der EU-Kommission, zwar weitgehende Maßnahmen vorgeschlagen. Datenportabilität solle „Daten erfassen, die Nutzer wissentlich und aktiv preisgeben, aber auch von ihrer Nutzungsaktivität erst generierte Daten“. Dies wären zum Beispiel gesamte Nutzerprofile von Facebook. Renate Nikolay, Chef-Mitarbeiterin von Justiz-Kommissarin Vĕra Jourová, bezeichnete diese Interpretation jedoch umgehend als zu weitgehend.

Es dürfte ein zähes Ringen geben, bei denen die Grenzen des neuen Datenschutzrechtes definiert werden. Mit innovativen Ideen, politischem Druck in Brüssel und Berlin sowie möglicherweise strategischen Klagen gegen die mächtigen amerikanischen Datensammler könnten sich deutsche Medienunternehmen an die Spitze einer Bewegung setzen, die den angedachten freien Datenverkehr Wirklichkeit werden lässt. Es wäre im Sinne des mündigen Nutzers, aber auch Grundlage für neue Formen eines digitalen Journalismus. Es stünde der deutschen Medienbranche gut, hier eine moderne sowie nutzerzentrierte Sicht zu vertreten — und Stellung zu beziehen.

Marco Maas ist Datenjournalist und Geschäftsführer der Datenfreunde GmbH, die mit xMinutes eine personalisierte Nachrichten-Plattform deutscher Medien entwickelt.

Daniel Moßbrucker ist freier Journalist in Berlin zu den Themen Datenschutz, Überwachung und Internetregulierung. Bei Reporter ohne Grenzen ist er Referent für Internetfreiheit.

Ist personalisiertes Radio machbar?

Posted by on Jul 13, 2017 in Neue Projekte, News, Pressemitteilung | No Comments

Foto: Datenfreunde GmbH

Hunderttausende Menschen pendeln täglich zu ihrem Arbeitsplatz. Auf dem Weg hören viele von ihnen Radio. Das Programm der Radiostationen ist jedoch für eine möglichst breite Zielgruppe optimiert und bietet im besten Fall Informationen für ein größeres räumliches Gebiet. Individualisierte Musikangebote sind inzwischen gang und gäbe, für personenbezogene Wortinhalte – seien es journalistische und fiktionale Beiträge oder audiobasierte E-Learning-Angebote – gibt es jedoch noch keine entsprechenden Anbieter.

Dank einer Förderung des BMVI können wir nun in einer Machbarkeitsstudie die technischen Voraussetzungen für eine automatisierte, individuelle Zusammenstellung von Audioinhalten untersuchen. Als Medienpartner haben wir bereits das deutschsprachige Onlineradio detektor.fm mit Sitz in Leipzig gewinnen können. Mit weiteren Medienpartnern sind wir im Gespräch.

EU-gefördert: Data Driven News

Posted by on Jul 3, 2017 in Allgemein | No Comments
EU-gefördert: Data Driven News

Im vergangenen Jahr haben wir uns (gemeinsam mit Nachrichtenagenturen aus Deutschland, Frankreich und Italien) um eine interessante Datenjournalismus-Ausschreibung der EU-Kommission beworben. Die Ausschreibung an sich ist bereits bemerkenswert: Die EU-Kommission findet Datenjournalismus gut? viele gute Datenjournalismus-Projekte – auch ein paar, die wir verantwortet haben – sind im besten Sinne investigativ und rücken den Brüsseler Lobbyisten, Beamten und Politikern mit Hilfe von Datenrecherchen auf die Pelle. Trotzdem vergibt die EU-Kommission ein eigenes Budget, um mehr davon zu finanzieren.

Ein Experiment, wie wir beim Auftakttreffen mit den Verantwortlichen erfuhren. Im Frühjahr kam die Zusage, dass das Konsortium aus Datenfreunde / OpenDataCity, der französischen AFP, der italienischen Ansa und der deutschen dpa einen Teil des ausgeschriebenen Budgets erhält und redaktionell unabhängig entscheiden darf, welche Berichterstattung stattfindet. Der wichtigste Aspekt für die Auftraggeber in der EU-Kommission: Wir haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Datenquellen geschaffen. Macht diese Daten zu Geschichten! Bringt diese Geschichten in die Medien.

Machen wir doch gerne – tatsächlich haben wir  unter den mit EU-Mitteln finanzierten Datenquellen einige gefunden, die datenjournalistisch und gestalterisch noch nicht genug gewürdigt werden. Mehr Details dazu in den kommenden Monaten – das Portal ist heute offiziell gestartet (mit Pressemeldungen von Ansa und AFP). Auf die Debatte, ob diese Art der Finanzierung dem Datenjournalismus als Ganzes eher nutzt oder schadet, freuen wir uns auch schon. Alle sind eingeladen, unsere Arbeit unter die Lupe zu nehmen und sich ein Bild zu machen.

 

 

 

 

 

All about Kontext – Der Sperrbildschirm als neue App

Posted by on Jun 2, 2017 in Allgemein | No Comments

Und mal wieder schreibe ich vom Abgesang der Apps. Schleichend aber stetig zeigt sich bei iOS, Android und Co. ein klarer Trend: Das Smartphone wird “context-aware”, versteht also, was der Nutzer will. Für Journalisten heißt das: Schon wieder Umlernen – wie kann Inhalt z. B. auf einer interaktiven Kachel auf dem Sperrbildschirm präsentiert werden?

Folie von Martin Koper beim NewsCamp in Augsburg (Newsfactory GmbH)

Folie von Martin Koper beim NewsCamp in Augsburg (Newsfactory GmbH)

Mein Medium-Beitrag zum Abgesang auf die Apps zeigt bereits (polemisch zugespitzt) das Grundproblem, auf das wir zusteuern: Die Installation von Apps lässt rapide nach. Die am meisten genutzten Apps, wie WhatsApp oder auch der Facebook Messenger, dienen der Interaktion zwischen Menschen. Jeder Inhalt ist dabei ein Stück Kommunikation und somit in einem Conversational OS abbildbar.

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung, die sich gerade im OS-Design beobachten lässt: Hier verschmelzen mit der Kachellogik (Google Now) einerseits und Push-Notifications andererseits zwei Trends. Schleichend hat sich in den vergangenen Jahren im Android-Betriebssystem (und in Teilen auch im Apple-Pendant) so eine neue Art von Inhaltspräsentation und Interaktionsmöglichkeit durchgesetzt. Mehr und mehr Informationen werden nicht mehr in der App, sondern in Kacheln auf dem Sperrbildschirm dargestellt. Eine Push-Nachricht informiert nicht mehr bloß, sondern ermöglicht darüber hinaus die direkte Reaktion, so zum Beispiel eine Antwort zu schreiben oder einen Beitrag zu bewerten.

Apps werden unsichtbar, Assistenten durch Kachel-Logik präsenter

Dahinter steht die Idee, die App langsam unsichtbar zu machen und die Assistenz-Funktion des Telefons auszuspielen. Das Mobilgerät wird künftig wissen, welcher Inhalt auf dem Display zu welcher Zeit zu erscheinen hat. Vorbote dieses neuen Bedienkonzeptes war Google Now auf dem “nullten” Screen des Telefons. Verschiedenste Informationen, vom Reiseplan mit Flugverspätung, dem kommenden Verkehr oder auch Artikelempfehlungen, zeigt Google Now einen Fluss an Nachrichten gesammelt an einem Ort an. Bemerkenswert hierbei: Auch für Drittanbieter wie z. B. myTaxi ist es möglich, in diesem Content-Stream aufzutauchen und Interaktionen auszulösen. Bis heute gibt es allerdings nur wenige Anbieter, die das proaktiv nutzen.

“Klassisch” ist es die Push-Nachricht, die den Nutzer aktiv auf neue Inhalte hinweist und Interaktionen triggert. Untersuchungen zeigen deutlich, dass speziell journalistische Anwendungen auf Telefonen ohne aktivierte Push-Funktion kaum geöffnet werden. Visuelle Erinnerung sind dagegen wahre Traffic-Bringer. Gutes Beispiel hierfür sind Bot-Nachrichten-Dienste wie Resi oder der NoviBot, für deren Zugriffszahlen hauptsächlich die Push-Notifications verantwortlich sind.

Selbstbeobachtung – der Kontext-Screen wird wichtiger

Ich liebe Statistiken und erfasse alle möglichen Aspekte meines Lebens automatisch. Meine Schritte, meine Schlafzeiten, meine Wegstrecken, Atemrate und Pulsfrequenz – und auch die Nutzung von Apps auf meinem Smartphone. Seit ein paar Monaten führt ungeschlagen keine App, sondern der Sperrbildschirm die “Bestenliste” der Akkufresser an. Die Datenlage deckt sich mit meiner subjektiven Beobachtung: Ich nutze mein Android-Telefon mehrheitlich nur noch über den Sperrschirm, beispielsweise um zu sehen, welche Mails neu reingekommen sind, um Interaktionen auf Twitter zu tätigen oder auch Terminerinnerungen zu erhalten. Der Trend ist seit längerem zu erkennen und seit knapp 6 Monaten ist mein Telefon mehrheitlich ein Kontext-Gerät.

Nirgendwo habe ich diese Gedankengänge so bestätigt gesehen wie bei Microsoft in Seattle. Dort war ich vor ein paar Monaten in einem Testlabor, in dem Microsoft künftige Visionen anhand von Arbeitssituationen, Meetings oder auch dem smarten Wohnzimmer real anfassbar präsentiert. Am meisten beeindruckt hat mich aber folgendes Szenario: Ein Straßenkaffee, am Tresen das Plakat einer Band, die an zwei Tagen spielt. In der Microsoft-Version holt der Besucher sein Telefon aus der Tasche. Durch die spezifische Bewegung erkennt das Telefon, dass der Besitzer ein Foto machen will und macht dies, ohne, dass eine App geöffnet werden muss. Nach der Aufnahme wird das Bild semantisch analysiert (auf der Google IO ist eine vergleichbare API ebenfalls vorgestellt worden), die Termine herausgefiltert, die Terminkalender vom Telefonbesitzer und seiner Freundin abgeglichen und das Ticket automatisch gekauft. Der Nutzer sieht nur die Meldung: “Ich habe dir 2 Tickets für übermorgen gekauft – soll ich die zurückgeben?”

Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, in welche Richtung die Reise geht – Bedürfnisse werden in unstrukturierten Umgebungen assistierend vom Mobiltelefon oder anderen Geräten erkannt und bedient. Das klingt auf den ersten Blick bedrohlich, zeigt aber auch den Weg, den wir gerade beschreiten: Entscheidungen werden für mich vorentschieden, ob nun bei der personalisierten Nachrichtenauswahl oder bei der personalisierten Auswahl von Produkten des Alltags. Letztendlich muss ich als Nutzer die Angebote aber nur noch deaktivieren anstelle eines vorherigen aktiven Dialogs.

Bloße Aufmerksamkeit durch Push-Nachrichten wird nicht mehr reichen

So weit sind wir noch lange nicht, dennoch glaube ich, dass sich Journalisten schon jetzt Gedanken machen sollten, wie ihre Inhalte so aufbereitet werden, dass sie leicht konsumierbar und nahtlos in solche Zukunftsszenarien eingebunden werden können. Dafür ist es notwendig, die komplette Logik eines “traditionellen” Artikels zu hinterfragen. Es wird nicht mehr reichen, mit der Push-Notification Aufmerksamkeit zu erregen, der komplette Inhalt sollte auf der Kachel darstellbar sein. Das kann ein kurzer textlicher Teaser sein, der sich beim Runterscrollen in ein Video wandelt oder auch in ein Audio, dass dann über die smarten Boxen in der Wohnung oder dem Connected Car ausgegeben werden.

Gleichzeitig gilt es, nicht weiter das Vertrauen der Nutzer zu verspielen, denn: Werden Push Notifications schlecht bespielt, deaktiviert sie der Nutzer schnell. Umgekehrt: Werden die push notifications aber richtig eingesetzt, werden sie zu einem wertvollen Begleiter und ermöglichen Publishern einen Platz im Leben des Nutzers. Die Umsetzung einer “guten” Push-Notification-Strategie ist aktuell nicht einfach, denn noch sind sie meist nur dumme Textmeldungen. Was fehlt sind tiefergehende und kontextbasierte Reaktion auf die aktuellen Umstände und Interessen des Nutzers.

Das Beispiel des Ticketkaufs passiert, ohne dass eine App aktiv aufgerufen werden oder der Nutzer einen Kaufvorgang einleiten muss. Der gesamte Vorgang findet nur noch auf dem Sperrbildschirm statt, die Technologie wandert auf den “Contextual First Screen” und mit ihr auch die Aufmerksamkeit des Nutzers. Zukünftig müssen sich Journalisten daher sehr viele Gedanken über das “Wie” der Bespielung des Sperrbildschirms machen. Wir experimentieren unter anderem mit einer dauerpräsenten Nachrichtenkachel, die kontextbasiert mit gerade passenden Inhalten bespielt werden kann.

Tipp: Wer auf dem Laufenden bleiben will, was andere Medien so machen, sollte unbedingt dem Twitter-Projekt @pushthepush von Martin Hoffmann und Theresa Rentsch folgen. Für noch mehr Infos: Wir erforschen gerade mit xMinutes die kontextbasierte Ausspielung von Inhalten – die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Außerdem verabschiedet sich der von mir hochverehrte Walt Mossberg mit einer Kolumne über Ambient Computing  in den verdienten Ruhestand – lesenswert!

21 Medienpartner unterstützen unsere innovative News-App

Posted by on Okt 10, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

xMinutes verspricht die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Mit dem Weckerklingeln die spannenden Kurznachrichten auf dem Smartphone-Display, unter der Dusche ein aktuelles Radio-Interview, auf dem Weg zur Arbeit die hintergründigen Texte für die Bahnfahrt. Die Nachrichten orientieren sich an den Interessen des Nutzers und kommen aus einem Pool von Inhalten, der von überregionalen und lokalen Medienredaktionen minütlich gespeist wird. Und das alles in nur einer App – der xMinutes-App.

xMinutes, das ist die richtige Nachricht zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Basierend auf Nutzungsdaten sowie Ort, Zeit und semantischen Analysen von journalistischen Inhalten, werden dem Nutzer algorithmenbasiert Medieninhalte angeboten.

Medien Partner xMinutes

“Ist das die Zukunft wie die Journalisten ihre Leser erreichen? Vielleicht. Wir müssen es ausprobieren”, so Datenfreunde-Geschäftsführer Marco Maas. Zum Start der App-Entwicklung sind 21 namhafte Medien von der Idee hinter xMinutes überzeugt. So sind von Anfang an dabei: Tagesschau, Spiegel Online, Deutsche Welle, rbb|24, BR24 und dpa infocom. Unsere regionalen Partner sind die Berliner Morgenpost, die Neue Osnabrücker Zeitung, die Hamburger Morgenpost, die Schwäbische Zeitung, der Mannheimer Morgen, die Zeitungen der mh:n Gruppe (Flensburger Tageblatt, Schweriner Volkszeitung, Pinneberger Tageblatt, Ostholsteiner Anzeiger) und das Onlineportal infranken.de. Außerdem sind zum Start die Special-Interest-Titel t3n, Apotheken Umschau, Deutsche Apothekerzeitung, Piqd und Mediasteak dabei.

Netzwerk mit 1.000 Testnutzern

Sie alle stellen ihre tagesaktuellen journalistischen Inhalte für die Entwicklungsphase unentgeltlich zur Verfügung. Im Gegenzug beteiligen wir die Partner an der Konzeption und Umsetzung von xMinutes. Unter anderem gibt es eine monatliche Präsentation des xMinutes-Teams zum Stand der Arbeiten. “Wir wollen so viele Rückmeldungen wie möglich von unseren Medienpartnern, damit wir nah an ihren Bedürfnissen entwickeln”, so Geschäftsführer Marco Maas. „Gleichzeitig bauen wir ein zunächst geschlossenes Netzwerk mit 1.000 Testnutzern auf, die uns die wichtigen Rückmeldungen aus Benutzersicht geben.“ So ist es sinnvoll, interessenbasiertes Ausspielen von Nachrichten zu erforschen und zu entwickeln.

Marco Maas selbst hat langjährige journalistische Erfahrung und hat unter anderem die Online-Redaktion des NDR mit aufgebaut. Für ihn ist die frühe und enge Partnerschaft mit den Medienunternehmen wichtig: „Wir wollen gemeinsam neue journalistische Verbreitungsformen entwickeln und nicht wie die großen Plattformen eine Friss-oder-Stirb-Lösung präsentieren.“

Die geschlossene Betaphase der xMinutes-App startet im Dezember für Android, Anfang 2017 wird die Beta für iOS folgen.  

Finanziert wird die xMinutes-Entwicklung für zwei Jahre zu einem Teil durch eine Förderung der Digital News Initiative von Google.

Interessierte Medienunternehmen können sich direkt an Marco Maas wenden unter 0163 – 66 66 245 oder per Email an xminutes@datenfreunde.com.

xMinutes ist eine Marke der Datenfreunde GmbH. Weitere Informationen gibt es unter www.xminutes.net

Training Days with Marco

Picture: brodtcast

Picture: brodtcast

Marco is one of eight german certified Google trainers for journalists of its Google News Lab for the D-A-CH region. Together with “Netzwerk Medientrainer” Marco trains newsrooms with tools for media and digital change. In the last months he held workshops across Germany at Deutsche Welle, Kölner Stadtanzeiger, Neue Osnabrücker Zeitung (360 Grad picture), Stuttgarter Nachrichten and others. Newsrooms who are interested in trainings contact Isa Sonnenfeld (Head of newslab DACH at Google).

Google-Newslab-Fellowship für (DDJ)-Journalisten/Entwickler

Posted by on Jul 11, 2016 in Allgemein | No Comments
Google-Newslab-Fellowship für (DDJ)-Journalisten/Entwickler

Das Google News Lab startet heute ein Stipendien-Programm für die DACH-Region bei 16 Medienorganisationen. Zusammen mit Vocer (bei dem ich einer der Herausgeber bin) schreiben wir eine Fellowship aus. Inhaltlich wird es um unser Projekt xMinutes gehen. Wir suchen natürlich die eierlegende Wollmilchsau – passen aber die Aufgabe natürlich an das Fähigkeiten-Profil des Kandidaten an. Wir sind offen für Bewerbungen von (Nerd)-Journalistinnen, Datenjournalistinnen und Entwicklerinnen (selbstredend: alles m/w).

Die Bewerbungsfrist ist der 22. August, das Programm geht zwei Monate lang, irgendwann zwischen September 2016 und Februar 2017. (Das Bild oben zeigt übrigens die Lobby in unserem Büro im Mindspace Hamburg).

Weitere Details zur Bewerbung und zum Programm

Nebenbei: Wir freuen uns auch sonst über Initiativ-Bewerbungen 😉

Gewonnen: Google-DNI-Förderung für unser Sensorjournalismus-Projekt

Posted by on Feb 24, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

Rock den Newsroom: Wir gehören zu den 33 geförderten Großprojekten der Google Digital News Initiative (DNI). In einer Vorauswahl von 226 Großprojekten haben wir uns durchsetzen können.

DNI Förderung

In der ersten Runde der Digital News Initiative hat Google 128 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 27 Millionen Euro gefördert. Anträge kamen aus 23 europäischen Ländern, die sich in drei Kategorien bewerben konnten: Prototypen (bis 50.000 Euro), mittelgroße Projekte (bis 300.000 Euro) und große Projekte (mehr als 300.000 Euro bis 1 Million).

Wir wollen in unserem Projekt Sensordaten nutzen, um den perfekten Newsstream zu generieren – die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richten Ort. Hierfür wollen wir Sensordaten analysieren und algorithmisch Vorhersagen versuchen, wann und wo es beim User die beste Zeit für eine Nachricht ist.

An dem Projekt werden wir in den kommenden zwei Jahren arbeiten, im vergangenen Jahr konnten wir bereits durch eine EU-Förderung erste Experimente mit Semantik, Machine Learning und Vorhersage-Algorithmen machen. Außerdem haben wir in den vergangenen Wochen einige Partnerschaften geschlossen – 2016 wird sehr spannend für uns.

Alternative Konzepte, wie wir künftig Medieninhalte konsumieren, tauchten in den vergangenen Wochen auch vermehrt in den einschlägigen Newslettern auf, beispielhaft seien hier qz.com mit ihrer App, Experimente der New York Times und Washington Post genannt. Es ist Zeit für sensorgesteuerten Nachrichtenkonsum.

Wir freuen uns auf die Chance, die uns die Google DNI bietet – und nebenbei: Wir suchen dringend neue Mitarbeiter

Hier gibt es mehr Infos zur DNI und der ersten Förderrunde.


Presseecho:

OpenDataCity: Journalist des Jahres 2015 (2. Platz)

Posted by on Feb 16, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

Am Montag habe ich für OpenDataCity und die Datenfreunde GmbH eine Auszeichnung als Journalist des Jahres entgegennehmen dürfen – Platz 2 in der Kategorie Medien-Entrepeneur. Platz 1 ging an Stephan Lamby mit seiner Plattform dbate und Platz 3 an Pauline Tillman mit ihrem StartUp Deine Korrespondentin. Herzlichen Glückwunsch!

Stephan Lamby (Produzent, Entrepreneur, 1.), Marco Maas (Datenfreunde/OpenDataCity, Entrepreneur, 2.), Pauline Tillmann (Deine Korrespondentin, Entrepreneur, 3.), Christian Meier (Laudator) (vlnr); Preisverleihung "Journalisten des Jahres 2015", Deutsches Historisches Museum, 15.2.2016, Berlin

Stephan Lamby (Produzent, Entrepreneur, 1.), Marco Maas (Datenfreunde/OpenDataCity, Entrepreneur, 2.), Pauline Tillmann (Deine Korrespondentin, Entrepreneur, 3.), Christian Meier (Laudator) (vlnr); Preisverleihung „Journalisten des Jahres 2015“, Deutsches Historisches Museum, 15.2.2016, Berlin

Mein und unser Dank geht an alle Kunden, Kollegen, Ex-Kollegen und Wegbegleiter, die mit uns in den vergangenen Jahren den Journalismus weiter in Richtung Interaktivität und modernes Storytelling gebracht haben.

Persönlich habe mich mich am meisten über den Preis für das Team des Jahres für die Kollegen von Netzpolitik gefreut – seit Jahren leistet das kleine Team völlig unterbezahlt erstklassige Arbeit – und scheint jetzt endlich dank der Landesverrat-Affäre spendenfinanziert auch auf einem finanziellen Level agieren zu können, das endlich mehr als das bloße Überleben ermöglicht – wer was Gutes für das Thema Netzpolitik tun will: Spendet wenig, aber regelmäßig!

Das Team von OpenDataCity

Das Team von OpenDataCity

Sollte es auch im kommenden Jahr wieder die Kategorie „Medien-Entrepeneur“ geben, wäre mein Vorschlag an die Organisatoren, auch hier statt einer einzelnen Person Teams auszuzeichnen. Ich denke, dass es im unternehmerischen Bereich (der ja fast immer auch mit Technologie zu tun hat) niemals „Einzeltäter“ sind, die Entwicklungen antreiben.

Neue Heimat Betahaus

Noch eine letzte „Hausnotiz“: Anfang Februar sind wir von OpenDataCity mit dem Hamburger Team ins Betahaus Hamburg gezogen – wo sich Medienschaffende und junge Technologie-Unternehmen treffen – wir sind sehr zuversichtlich, dass aus dieser Mischung bald auch neue datengetriebene journalistische Formate bei uns entstehen. Stay tuned.