All about Kontext – Der Sperrbildschirm als neue App

Posted by on Jun 2, 2017 in Allgemein | No Comments

Und mal wieder schreibe ich vom Abgesang der Apps. Schleichend aber stetig zeigt sich bei iOS, Android und Co. ein klarer Trend: Das Smartphone wird “context-aware”, versteht also, was der Nutzer will. Für Journalisten heißt das: Schon wieder Umlernen – wie kann Inhalt z. B. auf einer interaktiven Kachel auf dem Sperrbildschirm präsentiert werden?

Folie von Martin Koper beim NewsCamp in Augsburg (Newsfactory GmbH)

Folie von Martin Koper beim NewsCamp in Augsburg (Newsfactory GmbH)

Mein Medium-Beitrag zum Abgesang auf die Apps zeigt bereits (polemisch zugespitzt) das Grundproblem, auf das wir zusteuern: Die Installation von Apps lässt rapide nach. Die am meisten genutzten Apps, wie WhatsApp oder auch der Facebook Messenger, dienen der Interaktion zwischen Menschen. Jeder Inhalt ist dabei ein Stück Kommunikation und somit in einem Conversational OS abbildbar.

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung, die sich gerade im OS-Design beobachten lässt: Hier verschmelzen mit der Kachellogik (Google Now) einerseits und Push-Notifications andererseits zwei Trends. Schleichend hat sich in den vergangenen Jahren im Android-Betriebssystem (und in Teilen auch im Apple-Pendant) so eine neue Art von Inhaltspräsentation und Interaktionsmöglichkeit durchgesetzt. Mehr und mehr Informationen werden nicht mehr in der App, sondern in Kacheln auf dem Sperrbildschirm dargestellt. Eine Push-Nachricht informiert nicht mehr bloß, sondern ermöglicht darüber hinaus die direkte Reaktion, so zum Beispiel eine Antwort zu schreiben oder einen Beitrag zu bewerten.

Apps werden unsichtbar, Assistenten durch Kachel-Logik präsenter

Dahinter steht die Idee, die App langsam unsichtbar zu machen und die Assistenz-Funktion des Telefons auszuspielen. Das Mobilgerät wird künftig wissen, welcher Inhalt auf dem Display zu welcher Zeit zu erscheinen hat. Vorbote dieses neuen Bedienkonzeptes war Google Now auf dem “nullten” Screen des Telefons. Verschiedenste Informationen, vom Reiseplan mit Flugverspätung, dem kommenden Verkehr oder auch Artikelempfehlungen, zeigt Google Now einen Fluss an Nachrichten gesammelt an einem Ort an. Bemerkenswert hierbei: Auch für Drittanbieter wie z. B. myTaxi ist es möglich, in diesem Content-Stream aufzutauchen und Interaktionen auszulösen. Bis heute gibt es allerdings nur wenige Anbieter, die das proaktiv nutzen.

“Klassisch” ist es die Push-Nachricht, die den Nutzer aktiv auf neue Inhalte hinweist und Interaktionen triggert. Untersuchungen zeigen deutlich, dass speziell journalistische Anwendungen auf Telefonen ohne aktivierte Push-Funktion kaum geöffnet werden. Visuelle Erinnerung sind dagegen wahre Traffic-Bringer. Gutes Beispiel hierfür sind Bot-Nachrichten-Dienste wie Resi oder der NoviBot, für deren Zugriffszahlen hauptsächlich die Push-Notifications verantwortlich sind.

Selbstbeobachtung – der Kontext-Screen wird wichtiger

Ich liebe Statistiken und erfasse alle möglichen Aspekte meines Lebens automatisch. Meine Schritte, meine Schlafzeiten, meine Wegstrecken, Atemrate und Pulsfrequenz – und auch die Nutzung von Apps auf meinem Smartphone. Seit ein paar Monaten führt ungeschlagen keine App, sondern der Sperrbildschirm die “Bestenliste” der Akkufresser an. Die Datenlage deckt sich mit meiner subjektiven Beobachtung: Ich nutze mein Android-Telefon mehrheitlich nur noch über den Sperrschirm, beispielsweise um zu sehen, welche Mails neu reingekommen sind, um Interaktionen auf Twitter zu tätigen oder auch Terminerinnerungen zu erhalten. Der Trend ist seit längerem zu erkennen und seit knapp 6 Monaten ist mein Telefon mehrheitlich ein Kontext-Gerät.

Nirgendwo habe ich diese Gedankengänge so bestätigt gesehen wie bei Microsoft in Seattle. Dort war ich vor ein paar Monaten in einem Testlabor, in dem Microsoft künftige Visionen anhand von Arbeitssituationen, Meetings oder auch dem smarten Wohnzimmer real anfassbar präsentiert. Am meisten beeindruckt hat mich aber folgendes Szenario: Ein Straßenkaffee, am Tresen das Plakat einer Band, die an zwei Tagen spielt. In der Microsoft-Version holt der Besucher sein Telefon aus der Tasche. Durch die spezifische Bewegung erkennt das Telefon, dass der Besitzer ein Foto machen will und macht dies, ohne, dass eine App geöffnet werden muss. Nach der Aufnahme wird das Bild semantisch analysiert (auf der Google IO ist eine vergleichbare API ebenfalls vorgestellt worden), die Termine herausgefiltert, die Terminkalender vom Telefonbesitzer und seiner Freundin abgeglichen und das Ticket automatisch gekauft. Der Nutzer sieht nur die Meldung: “Ich habe dir 2 Tickets für übermorgen gekauft – soll ich die zurückgeben?”

Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, in welche Richtung die Reise geht – Bedürfnisse werden in unstrukturierten Umgebungen assistierend vom Mobiltelefon oder anderen Geräten erkannt und bedient. Das klingt auf den ersten Blick bedrohlich, zeigt aber auch den Weg, den wir gerade beschreiten: Entscheidungen werden für mich vorentschieden, ob nun bei der personalisierten Nachrichtenauswahl oder bei der personalisierten Auswahl von Produkten des Alltags. Letztendlich muss ich als Nutzer die Angebote aber nur noch deaktivieren anstelle eines vorherigen aktiven Dialogs.

Bloße Aufmerksamkeit durch Push-Nachrichten wird nicht mehr reichen

So weit sind wir noch lange nicht, dennoch glaube ich, dass sich Journalisten schon jetzt Gedanken machen sollten, wie ihre Inhalte so aufbereitet werden, dass sie leicht konsumierbar und nahtlos in solche Zukunftsszenarien eingebunden werden können. Dafür ist es notwendig, die komplette Logik eines “traditionellen” Artikels zu hinterfragen. Es wird nicht mehr reichen, mit der Push-Notification Aufmerksamkeit zu erregen, der komplette Inhalt sollte auf der Kachel darstellbar sein. Das kann ein kurzer textlicher Teaser sein, der sich beim Runterscrollen in ein Video wandelt oder auch in ein Audio, dass dann über die smarten Boxen in der Wohnung oder dem Connected Car ausgegeben werden.

Gleichzeitig gilt es, nicht weiter das Vertrauen der Nutzer zu verspielen, denn: Werden Push Notifications schlecht bespielt, deaktiviert sie der Nutzer schnell. Umgekehrt: Werden die push notifications aber richtig eingesetzt, werden sie zu einem wertvollen Begleiter und ermöglichen Publishern einen Platz im Leben des Nutzers. Die Umsetzung einer “guten” Push-Notification-Strategie ist aktuell nicht einfach, denn noch sind sie meist nur dumme Textmeldungen. Was fehlt sind tiefergehende und kontextbasierte Reaktion auf die aktuellen Umstände und Interessen des Nutzers.

Das Beispiel des Ticketkaufs passiert, ohne dass eine App aktiv aufgerufen werden oder der Nutzer einen Kaufvorgang einleiten muss. Der gesamte Vorgang findet nur noch auf dem Sperrbildschirm statt, die Technologie wandert auf den “Contextual First Screen” und mit ihr auch die Aufmerksamkeit des Nutzers. Zukünftig müssen sich Journalisten daher sehr viele Gedanken über das “Wie” der Bespielung des Sperrbildschirms machen. Wir experimentieren unter anderem mit einer dauerpräsenten Nachrichtenkachel, die kontextbasiert mit gerade passenden Inhalten bespielt werden kann.

Tipp: Wer auf dem Laufenden bleiben will, was andere Medien so machen, sollte unbedingt dem Twitter-Projekt @pushthepush von Martin Hoffmann und Theresa Rentsch folgen. Für noch mehr Infos: Wir erforschen gerade mit xMinutes die kontextbasierte Ausspielung von Inhalten – die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Außerdem verabschiedet sich der von mir hochverehrte Walt Mossberg mit einer Kolumne über Ambient Computing  in den verdienten Ruhestand – lesenswert!

21 Medienpartner unterstützen unsere innovative News-App

Posted by on Okt 10, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

xMinutes verspricht die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Mit dem Weckerklingeln die spannenden Kurznachrichten auf dem Smartphone-Display, unter der Dusche ein aktuelles Radio-Interview, auf dem Weg zur Arbeit die hintergründigen Texte für die Bahnfahrt. Die Nachrichten orientieren sich an den Interessen des Nutzers und kommen aus einem Pool von Inhalten, der von überregionalen und lokalen Medienredaktionen minütlich gespeist wird. Und das alles in nur einer App – der xMinutes-App.

xMinutes, das ist die richtige Nachricht zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Basierend auf Nutzungsdaten sowie Ort, Zeit und semantischen Analysen von journalistischen Inhalten, werden dem Nutzer algorithmenbasiert Medieninhalte angeboten.

Medien Partner xMinutes

“Ist das die Zukunft wie die Journalisten ihre Leser erreichen? Vielleicht. Wir müssen es ausprobieren”, so Datenfreunde-Geschäftsführer Marco Maas. Zum Start der App-Entwicklung sind 21 namhafte Medien von der Idee hinter xMinutes überzeugt. So sind von Anfang an dabei: Tagesschau, Spiegel Online, Deutsche Welle, rbb|24, BR24 und dpa infocom. Unsere regionalen Partner sind die Berliner Morgenpost, die Neue Osnabrücker Zeitung, die Hamburger Morgenpost, die Schwäbische Zeitung, der Mannheimer Morgen, die Zeitungen der mh:n Gruppe (Flensburger Tageblatt, Schweriner Volkszeitung, Pinneberger Tageblatt, Ostholsteiner Anzeiger) und das Onlineportal infranken.de. Außerdem sind zum Start die Special-Interest-Titel t3n, Apotheken Umschau, Deutsche Apothekerzeitung, Piqd und Mediasteak dabei.

Netzwerk mit 1.000 Testnutzern

Sie alle stellen ihre tagesaktuellen journalistischen Inhalte für die Entwicklungsphase unentgeltlich zur Verfügung. Im Gegenzug beteiligen wir die Partner an der Konzeption und Umsetzung von xMinutes. Unter anderem gibt es eine monatliche Präsentation des xMinutes-Teams zum Stand der Arbeiten. “Wir wollen so viele Rückmeldungen wie möglich von unseren Medienpartnern, damit wir nah an ihren Bedürfnissen entwickeln”, so Geschäftsführer Marco Maas. „Gleichzeitig bauen wir ein zunächst geschlossenes Netzwerk mit 1.000 Testnutzern auf, die uns die wichtigen Rückmeldungen aus Benutzersicht geben.“ So ist es sinnvoll, interessenbasiertes Ausspielen von Nachrichten zu erforschen und zu entwickeln.

Marco Maas selbst hat langjährige journalistische Erfahrung und hat unter anderem die Online-Redaktion des NDR mit aufgebaut. Für ihn ist die frühe und enge Partnerschaft mit den Medienunternehmen wichtig: „Wir wollen gemeinsam neue journalistische Verbreitungsformen entwickeln und nicht wie die großen Plattformen eine Friss-oder-Stirb-Lösung präsentieren.“

Die geschlossene Betaphase der xMinutes-App startet im Dezember für Android, Anfang 2017 wird die Beta für iOS folgen.  

Finanziert wird die xMinutes-Entwicklung für zwei Jahre zu einem Teil durch eine Förderung der Digital News Initiative von Google.

Interessierte Medienunternehmen können sich direkt an Marco Maas wenden unter 0163 – 66 66 245 oder per Email an xminutes@datenfreunde.com.

xMinutes ist eine Marke der Datenfreunde GmbH. Weitere Informationen gibt es unter www.xminutes.net

Training Days with Marco

Picture: brodtcast

Picture: brodtcast

Marco is one of eight german certified Google trainers for journalists of its Google News Lab for the D-A-CH region. Together with “Netzwerk Medientrainer” Marco trains newsrooms with tools for media and digital change. In the last months he held workshops across Germany at Deutsche Welle, Kölner Stadtanzeiger, Neue Osnabrücker Zeitung (360 Grad picture), Stuttgarter Nachrichten and others. Newsrooms who are interested in trainings contact Isa Sonnenfeld (Head of newslab DACH at Google).

Google-Newslab-Fellowship für (DDJ)-Journalisten/Entwickler

Posted by on Jul 11, 2016 in Allgemein | No Comments
Google-Newslab-Fellowship für (DDJ)-Journalisten/Entwickler

Das Google News Lab startet heute ein Stipendien-Programm für die DACH-Region bei 16 Medienorganisationen. Zusammen mit Vocer (bei dem ich einer der Herausgeber bin) schreiben wir eine Fellowship aus. Inhaltlich wird es um unser Projekt xMinutes gehen. Wir suchen natürlich die eierlegende Wollmilchsau – passen aber die Aufgabe natürlich an das Fähigkeiten-Profil des Kandidaten an. Wir sind offen für Bewerbungen von (Nerd)-Journalistinnen, Datenjournalistinnen und Entwicklerinnen (selbstredend: alles m/w).

Die Bewerbungsfrist ist der 22. August, das Programm geht zwei Monate lang, irgendwann zwischen September 2016 und Februar 2017. (Das Bild oben zeigt übrigens die Lobby in unserem Büro im Mindspace Hamburg).

Weitere Details zur Bewerbung und zum Programm

Nebenbei: Wir freuen uns auch sonst über Initiativ-Bewerbungen 😉

Gewonnen: Google-DNI-Förderung für unser Sensorjournalismus-Projekt

Posted by on Feb 24, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

Rock den Newsroom: Wir gehören zu den 33 geförderten Großprojekten der Google Digital News Initiative (DNI). In einer Vorauswahl von 226 Großprojekten haben wir uns durchsetzen können.

DNI Förderung

In der ersten Runde der Digital News Initiative hat Google 128 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 27 Millionen Euro gefördert. Anträge kamen aus 23 europäischen Ländern, die sich in drei Kategorien bewerben konnten: Prototypen (bis 50.000 Euro), mittelgroße Projekte (bis 300.000 Euro) und große Projekte (mehr als 300.000 Euro bis 1 Million).

Wir wollen in unserem Projekt Sensordaten nutzen, um den perfekten Newsstream zu generieren – die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richten Ort. Hierfür wollen wir Sensordaten analysieren und algorithmisch Vorhersagen versuchen, wann und wo es beim User die beste Zeit für eine Nachricht ist.

An dem Projekt werden wir in den kommenden zwei Jahren arbeiten, im vergangenen Jahr konnten wir bereits durch eine EU-Förderung erste Experimente mit Semantik, Machine Learning und Vorhersage-Algorithmen machen. Außerdem haben wir in den vergangenen Wochen einige Partnerschaften geschlossen – 2016 wird sehr spannend für uns.

Alternative Konzepte, wie wir künftig Medieninhalte konsumieren, tauchten in den vergangenen Wochen auch vermehrt in den einschlägigen Newslettern auf, beispielhaft seien hier qz.com mit ihrer App, Experimente der New York Times und Washington Post genannt. Es ist Zeit für sensorgesteuerten Nachrichtenkonsum.

Wir freuen uns auf die Chance, die uns die Google DNI bietet – und nebenbei: Wir suchen dringend neue Mitarbeiter

Hier gibt es mehr Infos zur DNI und der ersten Förderrunde.


Presseecho:

OpenDataCity: Journalist des Jahres 2015 (2. Platz)

Posted by on Feb 16, 2016 in News, Pressemitteilung | No Comments

Am Montag habe ich für OpenDataCity und die Datenfreunde GmbH eine Auszeichnung als Journalist des Jahres entgegennehmen dürfen – Platz 2 in der Kategorie Medien-Entrepeneur. Platz 1 ging an Stephan Lamby mit seiner Plattform dbate und Platz 3 an Pauline Tillman mit ihrem StartUp Deine Korrespondentin. Herzlichen Glückwunsch!

Stephan Lamby (Produzent, Entrepreneur, 1.), Marco Maas (Datenfreunde/OpenDataCity, Entrepreneur, 2.), Pauline Tillmann (Deine Korrespondentin, Entrepreneur, 3.), Christian Meier (Laudator) (vlnr); Preisverleihung "Journalisten des Jahres 2015", Deutsches Historisches Museum, 15.2.2016, Berlin

Stephan Lamby (Produzent, Entrepreneur, 1.), Marco Maas (Datenfreunde/OpenDataCity, Entrepreneur, 2.), Pauline Tillmann (Deine Korrespondentin, Entrepreneur, 3.), Christian Meier (Laudator) (vlnr); Preisverleihung „Journalisten des Jahres 2015“, Deutsches Historisches Museum, 15.2.2016, Berlin

Mein und unser Dank geht an alle Kunden, Kollegen, Ex-Kollegen und Wegbegleiter, die mit uns in den vergangenen Jahren den Journalismus weiter in Richtung Interaktivität und modernes Storytelling gebracht haben.

Persönlich habe mich mich am meisten über den Preis für das Team des Jahres für die Kollegen von Netzpolitik gefreut – seit Jahren leistet das kleine Team völlig unterbezahlt erstklassige Arbeit – und scheint jetzt endlich dank der Landesverrat-Affäre spendenfinanziert auch auf einem finanziellen Level agieren zu können, das endlich mehr als das bloße Überleben ermöglicht – wer was Gutes für das Thema Netzpolitik tun will: Spendet wenig, aber regelmäßig!

Das Team von OpenDataCity

Das Team von OpenDataCity

Sollte es auch im kommenden Jahr wieder die Kategorie „Medien-Entrepeneur“ geben, wäre mein Vorschlag an die Organisatoren, auch hier statt einer einzelnen Person Teams auszuzeichnen. Ich denke, dass es im unternehmerischen Bereich (der ja fast immer auch mit Technologie zu tun hat) niemals „Einzeltäter“ sind, die Entwicklungen antreiben.

Neue Heimat Betahaus

Noch eine letzte „Hausnotiz“: Anfang Februar sind wir von OpenDataCity mit dem Hamburger Team ins Betahaus Hamburg gezogen – wo sich Medienschaffende und junge Technologie-Unternehmen treffen – wir sind sehr zuversichtlich, dass aus dieser Mischung bald auch neue datengetriebene journalistische Formate bei uns entstehen. Stay tuned.

LobbyRadar gewinnt den begehrten Prix Europa

Posted by on Okt 23, 2015 in Grafik, Lobby, News | No Comments
Einmal vor Ort beim ZDF: Trophäe Anfassen.

Vor Ort beim ZDF: Einmal Trophäe anfassen.

Wir fühlen uns mitgeehrt: Das ZDF hat für sein Projekt LobbyRadar in Kooperation mit dem MIZ in Potsdam und OpenDataCity die  Auszeichnung Prix Europa 2015 in der Kategorie „Best Online Project“ gewonnen. Der Prix Europa ist einer der begehrtesten Medienpreise Europas im Universum der europäischen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Die Jury schreibt auf der Prix Europa Website:
The Jury of the online category of Prix Europa 2015 described the winning project as “extremely ambitious”, saying it made them “optimistic about the internet and its possibilities”.
It’s a great tool for citizens, which uses big data to highlight the power structures within a democracy.

It unlocks huge amounts of open source information revealing the connections between politicians, think tanks and lobbyists. Some in the jury said they would like to take – or steal – this data visualisation tool for their own country, or indeed make it pan-European.

Ausschnitt aus dem Lobbyradar

Ausschnitt aus dem Lobbyradar

Die Technik vom LobbyRadar iat von uns, mitkonzipiert und recherchiert haben die Kollegen vom MIZ. Ein besonders großes Dankeschön gilt dem ZDF. Ohne den Mut, Finanzierung und Projektleitung aus der Redaktion hätte es LobbyRadar nie gegeben.

Update 31.12.2015: Die Projektlaufzeit für das LobbyRadar unter der Schirmherrschaft des ZDF ist ausgelaufen. Wir suchen einen neuen Betreiber. Interessenten können sich gerne unter lobbyradar[at]mail.de melden.

OpenDataCity auf der re:publica 2015

OpenDataCity auf der re:publica 2015

Die re:publica ist ja immer das große Klassentreffen – auch dieses Jahr sind wir an einigen Stellen mit dabei:

Michael Kreil, Sebastian Vollnhals und Andrej Sandorf haben die offene Veranstaltungs-API re:data weiterentwickelt, die die Grundlage für die diesjährigen Veranstaltungs-Apps bildet. Zusammen mit Thomas Kollbach, Alexander Gräsel und Heiko Wichmann werden Sie in einem Workshop offene Fragen beantworten und überlegen, wie es mit dem Open-Source-Projekt weitergehen kann.

Außerdem zeigen wir auf ein paar großen Displays mit re:data-Daten die nächsten Sessions an (Flughafen-Style s. o.).

Sebastian Vollnhals hat seine Game-Show „Six degrees of Wikipedia“ zusammen mit Julian Finn mal aufgehübscht und sucht am Mittwochabend Kandidaten.

Martin Virtel stellt am Donnerstag-Morgen in einem Vortrag unser aktuelles LobbyPlag (V3) vor, in dem wir anhand von mehr als 10.000 Seiten interner Ratsdokumente zeigen können, wie das Datenschutzrecht intransparent im europäischen Rat ausgehöhlt wurde.

Marco Maas spricht im MIZ-Innovationslab zusammen mit Kollegen vom ZDF und dem MIZ über das Gemeinschaftsprojekt LobbyRadar, das kommende Woche startet.

Wie immer: Wir freuen uns!

Der Zerfall der Printmedien

halbwertszeit-sueddeutsche-zeitung

Ist Print tot? Gibt es das große Zeitungssterben in Deutschland? Ganz im Gegenteil, schallt es den Kritikern entgegen, das Bedrucken von Papier bleibt ein Milliardengeschäft – Smartphones und E-Readern zum Trotz. Wahr ist: Das alte Medium bricht unter dem Ansturm des Neuen nicht überall zusammen. Viele Publikationen schlittern rapide der Bedeutungslosigkeit entgegen, ein paar allerdings erreichen ein wachsendes Millionenpublikum.

Wir haben einen spielerischen Blick auf die Daten geworfen, um ein klareres Bild zum Zeitungssterben in Deutschland zu bekommen: Zeitungen und Magazine, so unsere Hypothese, unterliegen einem natürlichen Zerfallsprozess – ähnlich wie Uran oder Plutonium, nur schneller. Herausgekommen ist eine kleine Grafikserie mit Halbwertszeiten, von der ADAC Motorwelt (die Auflage halbiert sich, Skandal hin oder her, nur etwa alle 2.000 Jahre) bis zum Micky-Maus-Magazin (Halbwertszeit: 5 Jahre).

In der Summe kann gesagt werden: Besonders schlecht geht es Programm- und Jugendzeitschriften; Wochen- und Sonntagszeitungen halten sich ganz gut. Unter den Tageszeitungen ist das Bild gemischt, vom Donaukurier (über 800 Jahre) bis zur Bild-Zeitung (16 Jahre) ist alles dabei.

Lizenz zum Weiterverwerten

Grafik, Daten und Sourcecode stellen wir zur freien Weiterverwendung zur Verfügung. Sie können bspw. die Kurve Ihrer Lieblingspublikation auf Ihrem Blog oder in Ihrer Website einbetten oder neue, vielleicht bessere Modellierungsverfahren auf die Daten anwenden, oder das Ganze für ein anderes Land durchspielen. Auf jeden Fall würden wir uns dann freuen, von Ihnen zu hören, per Twitter @opendatacity oder Mail.

Methode

Unsere Verfalls-Prognose basiert auf einer exponentiellen Regression. Das bedeutet: Wir gehen davon aus, dass die Auflage in einem konstanten Zeitraum immer um denselben Faktor wächst oder schrumpft, und berechnen dann eine Kurve, die den geringsten Unterschied zu den bestehenden Punkten aufweist.

Sterbende Publikationen nähern sich der Null, erreichen sie aber nie. Weil wir nicht pauschal sagen können, ab welcher Auflage sich das Drucken nicht mehr lohnt, können wir kein Einstellungsdatum vorhersagen.

Datengrundlage sind alle Zeitungen und Zeitschriften, die ihre Auflagen an die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW, Wikipedia-Artikel) übermitteln.  Das ist der Goldstandard für gedruckte Publikationen in Deutschland.

Es handelt sich um die Verbreitungszahlen, also Einzelverkauf plus Abonnementverkauf plus sonstiger Verkauf plus Freiexemplare minus nicht verkaufte Exemplare (Remittenden). Die Daten werden quartalsweise erhoben. Publikationen, die mindestens einmal mehr als 25.000 Exemplare in dieser Kategorie gemeldet haben, wurden in die Grafikstrecke aufgenommen. In den meisten Fällen reichen die Daten vom 1. Quartal 2001 bis zum 3. Quartal 2014 .

Kirchenzeitung für das Erzbistum KölnAusreißer, die unsere Berechnungen zum Zeitungssterben in Deutschland in ein schlechtes Licht rücken könnten,  haben wir nicht herausgefiltert (siehe Beispiel links). Skepsis ist immer eine gute Sache. wenn es um Statistiken und Grafiken geht – es ist ja durchaus möglich, dass die von uns gewählte exponentielle Regression den Verfall nicht in allen Fällen adäquat beschreibt, oder dass eine Publikation den Trend umkehren kann und aus Verfall Wachstum wird – oder umgekehrt.

Auch die Daten können irreführend sein. Es gibt Ausreißer durch Sonderausgaben, Fehler bei den Verlagen oder Übertragungsfehler. Wir haben versucht, Fehlerkorrekturen durch die IVW zu berücksichtigen, das hat aber nicht in allen Fällen funktioniert. Eine manuelle Kontrolle und Korrektur wäre zu aufwendig, mit einer automatischen Glättung der Daten hätten wir riskiert, korrekte Daten zu verfälschen.

Hier noch ein paar Ergebnisse unserer Arbeit, die wir sehr interessant fanden: